Es ginge um Authentizität, um Lebhaftigkeit, bekräftigt die junge Regisseurin, die im Auftrag der Stadt ein patriotisches Freilichttheater inszenieren soll. Und so frontal, wie sie eingangs ihrem Publikum gegenübertritt, geht sie schliesslich auch ihr Thema an – das 1941 von rumänischen Besatzungstruppen begangene Massaker an 25’000 Juden in Odessa. In einer provokanten Versuchsanordnung stellt die engagierte Aktivistin die historischen Ereignisse mit Laiendarstellern auf einem zentralen Platz in Bukarest nach und erregt damit nicht nur die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, sondern auch den Unmut von Zuschauern und staatlichen Zensoren. Mit präziser Beobachtungsgabe, erfrischendem Humor und einem leidenschaftlichen Mut zur Auseinandersetzung – mit der Vergangenheit wie mit seinen Figuren – verfolgt der rumänische Regisseur Radu Jude in seinem jüngsten Werk die Dreharbeiten um das Projekt mitsamt den Konversationen und Konfrontationen, die sich daraus ergeben. Nach seiner vorangegangenen Trilogie vergrabener Geschichte(n) in Aferim!, Scarred Hearts und der Dokumentation The Dead Nation gelingt es Jude diesmal, Fakten und Fiktion in einem elegant verspielten und zugleich angriffslusti- gem Drama zu verbinden, das seine Wut im Bauch und sein Herz auf der Brust trägt.
ÎMI ESTE INDIFERENT DACĂ ÎN ISTORIE VOM INTRA CA BARBARI
- Radu Jude
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