Angela Schanelec macht ein hochsensibles Kino der nicht verheilten Narben. Ein Kino, dem man ausgeliefert ist. In Ich war zuhause, aber, für den die deutsche Filmemacherin auf der Berlinale mit dem Preis für die Beste Regie ausgezeichnet wurde, entfaltet sich in jedem Bild das dringliche Gefühl einer Versehrtheit. Elliptisch zwischen Vergangenheit und Gegenwart oszillierend, werden Menschen gezeigt, die sich brauchen, und Menschen, die allein sein müssen. So auch eine nach der eigenen Lebendigkeit suchende Mutter (wie oft bei Schanelec grandios: Maren Eggert). Sie leidet am Verlust ihres Mannes und der Unmöglichkeit, ihren Kindern gerecht zu werden. Jedes Bild im Film ist die Wiedergabe einer verzweifelten inneren Stimme. Jedes Fragment deutet auf etwas, was man nicht sehen kann. Sei es im behutsamen Rascheln von Blättern, einem zittrigen Schrei oder beim nächtlichen Liegen im Friedhofsmoos, begleitet von einer Wachtel und der traurigsten Coverversion von «Let’s Dance» ... Dagegen hält nur die reine und lebensbejahende Präsenz von Kindern und Tieren. Man spürt, dass dieser Film auch lange nach dem Abspann kein Ende findet.
ICH WAR ZUHAUSE, ABER
- Angela Schanelec
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