FUOCOAMMARE

  • Gianfranco Rosi

Mitten hinein in eines der grossen Themen unserer Zeit und doch auf der Suche nach ganz anderen Bildern ist Rosis Berlinale-Gewinner. Fuocoammare offenbart eine aufklaffende Lücke zweier Welten, die der Film strukturell aufeinanderprallen lässt: Hier die beinahe entspannt gefilmte Coming-of-Age-Geschichte des jungen Samuele auf der Insel, der auf Uferfelsen klettert, mit seiner Schleuder auf Büsche und Vögel schiesst oder am Hafen umherstreift. Dort der auf den Booten gefilmte Überlebenskampf der ankommenden Flüchtlinge. Der grosse politische Konflikt wird so durch die Augen eines Kindes betrachtet. Mit ihm lernt man das Sehen, der Blick verändert sich. Rosi, der über ein Jahr auf der Mittelmeerinsel Lampedusa verbrachte, zeigt, was man nur im Kino sichtbar machen kann: die kleinen Alltäglichkeiten und Schönheiten inmitten einer politischen Krise, das einfache Leben im Angesicht des Sterbens von Tausenden. Das Politische im Unpolitischen? Man kann und muss darüber streiten. Ein Film, der keine Gewissheiten behauptet, sondern Ungewissheiten bestärkt.

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