THE ARBOR

  • Clio Barnard

Barnards Debütfilm, eine experimentelle Dokufiktion, widmet sich dem Vermächtnis der alkoholkranken britischen Dramatikerin Andrea Dunbar, die am 20. Dezember 1990 im Alter von 29 Jahren starb. Dunbar hinterliess drei Kinder von verschiedenen Vätern – Lorraine, Lisa und Andrew – sowie ein schmales Werk sozialrealistischer Tragikomödien, die in der Sozialsiedlung Brafferton Arbor, einem heruntergekommenen Viertel Bradfords, angesiedelt sind. Hier nun vollzieht sich auch das Schicksal von Lorraine, die elf war, als ihre Mutter starb; in ihrer tragischen Lebensgeschichte, die sich von Drogen über Prostitution abwärtsbewegt, scheinen sich die Bedingungen ihrer Herkunft zu bestätigen. Es ist, als würde eine Saat aufgehen. Doch wer hat sie gesät?

Das distanzierende Instrumentarium, das Barnard hier verwendet, setzt sich zusammen aus historischen Originaldokumenten und Reenactments, die ihre Konstruiertheit ausstellen: Interviewaussagen von Zeitzeugen werden lippensynchron von SchauspielerInnen gemimt; im Hintergrund illustrativ inszenierter Szenen stehen die Ortsansässigen und gaffen. Authentizität und Abstraktion mischen sich solcherart auf faszinierende Weise und geben einer überfälligen Begegnung von Mutter und Tochter auf Augenhöhe Raum. An deren Ende möglicherweise sogar Katharsis steht.

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