FÁTIMA

  • João Canijo

Elf Frauen marschieren die Landstrasse entlang; das Tempo ist hoch, das gesteckte Ziel nicht minder: 430 Kilometer in neun Tagen wollen sie zurücklegen auf ihrem Weg von Vinhais im Norden Portugals nach dem zentral gelegenen Fátima, jener berühmten katholischen Pilgerstätte, an der die Gottesmutter drei Hirtenkindern erschienen sein soll. Eine Wallfahrt also, eine Pilgerreise, erschwert vom hohen Verkehrsaufkommen, von wiederkehrendem Regen, von aufflammenden Streitigkeiten, von blutigen Blasen, Gelenksentzündungen, Muskelkrämpfen, Erschöpfungszuständen, Kreislaufkollapsen und Nervenzusammenbrüchen. Wen wundert’s, dass eher selten gebetet wird und die besinnlich-meditative Innere-Einkehr-Stimmung, die gemeinhin mit einer Pilgerschaft assoziiert wird, sich weit und breit nicht bemerkbar macht.

In der bekanntlich dem Poetisch-Metaphernreichen zugeneigten portugiesischen Kinematografie vertritt das Werk des 1957 in Porto geborenen João Canijo den eher nüchternen Ansatz eines quasidokumentarischen Realismus. Er schickte seine Schauspielerinnen selber auf Pilgerschaft und erarbeitete mit ihnen das Drehbuch anhand ihrer Notizen und Erfahrungen. Das Ergebnis bietet auf der langen Strecke äusserste Kurzweil.

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