VISITA OU MEMÓRIAS E CONFISSÕES

  • Manoel de Oliveira

Manoel de Oliveira (1908–2015), Weltkinotitan und Axiom einer konservativ-freigeistigen Moderne, hatte offenbar nicht damit gerechnet, strammen Schrittes die Hundertermarke zu überschreiten. So realisierte er schon mit etwas über siebzig sein Film-Testament: Memories and Confessions (Visita ou Memórias e Confissões), ein Werk zwischen Spiel- und Dokumentarfilm, Geschichts-Reenactment und Träumerei, welches erst nach seinem Hinscheiden veröffentlicht werden durfte. Anlass für dieses Unterfangen war der Verkauf seines Hauses im Rahmen einer Umschichtung seiner Güter, Betriebe, Ländereien – das Ende, realiter, seines Daseins als hauptberuflicher Unternehmer und der Beginn seines Lebens als Künstler. Oliveira bat seine Vertraute, die grande dame der modernen portugiesischen Literatur Agustina Bessa-Luís, einen Text über ihn zu schreiben, als Projekt-Ausgangspunkt. Dem fügte er Reminiszenzen vor allem an die Zeit unter Salazar hinzu, aber auch an diese und jene Frau sowie all das, was er in den Fluren dieses Anwesens, mehr noch in dessen Zaubergarten voller grübelnder Bäume erlebt hatte. Oder es zumindest vermeinte, denn wie sagt der Meister selbst schalkhaft: Fiktion ist die wahre Realität des Kinos.

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