Manoel de Oliveira (1908–2015), Weltkinotitan und Axiom einer konservativ-freigeistigen Moderne, hatte offenbar nicht damit gerechnet, strammen Schrittes die Hundertermarke zu überschreiten. So realisierte er schon mit etwas über siebzig sein Film-Testament: Memories and Confessions (Visita ou Memórias e Confissões), ein Werk zwischen Spiel- und Dokumentarfilm, Geschichts-Reenactment und Träumerei, welches erst nach seinem Hinscheiden veröffentlicht werden durfte. Anlass für dieses Unterfangen war der Verkauf seines Hauses im Rahmen einer Umschichtung seiner Güter, Betriebe, Ländereien – das Ende, realiter, seines Daseins als hauptberuflicher Unternehmer und der Beginn seines Lebens als Künstler. Oliveira bat seine Vertraute, die grande dame der modernen portugiesischen Literatur Agustina Bessa-Luís, einen Text über ihn zu schreiben, als Projekt-Ausgangspunkt. Dem fügte er Reminiszenzen vor allem an die Zeit unter Salazar hinzu, aber auch an diese und jene Frau sowie all das, was er in den Fluren dieses Anwesens, mehr noch in dessen Zaubergarten voller grübelnder Bäume erlebt hatte. Oder es zumindest vermeinte, denn wie sagt der Meister selbst schalkhaft: Fiktion ist die wahre Realität des Kinos.
VISITA OU MEMÓRIAS E CONFISSÕES
- Manoel de Oliveira
RELATED MOVIES
KOLKA COOL
Juris Poskus Lettland 2011
Matt and Mara
Kazik Radwanski Kanada 2024
MANNERLAATTA
Mika Taanila Finnland 2016
SALIDAS
Michael Fetter Nathansky Deutschland 2021
Bluish
Lilith Kraxner, Milena Czernovsky Österreich 2024
WR: MYSTERIES OF THE ORGANISM
Dušan Makavejev Jugoslawien, BRD 1971
HUGO
Martin Scorsese USA 2011
IJUL’SKIJ DOŽD
Marlen Chuciev UdSSR 1967