HOMO SAPIENS

  • Nikolaus Geyrhalter

Die Frage, an welchen Orten Nikolaus Geyrhalter die Bilder für seine über vier Jahre entstandene post-apokalyptische Studie Homo sapiens aufgenommen hat, liegt zwar auf der Hand, ist aber nicht wichtig. Wobei, bildgebende katastrophenverwüstete Landstriche wie die um Fukushima und Tschernobyl legen natürlich nahe, dass der 1972 in Wien geborene Dokumentarist die Überlebenschancen der Menschheit insgesamt eher gering einschätzt. Verlassene Siedlungen, Ruinen, Trümmer, obsolet gewordenes Gerät, absurde Anhäufungen von Gegenständen – allmählich kapitulierend im rückerobernden Griff eines unnachgiebig wuchernden Grün. In himmeloffenen Hallen schlagen Helikopter-Tauben mit den Flügeln; der Wind pfeift, das herumliegende Zeug antwortet mit Geklapper.

Wer will, sieht einen Horrorfilm, oder lauscht einer Erzählung über das verborgene, das eigentliche Leben der Dinge. Das fallweise narrative Funktionen übernehmende Sounddesign gestaltet Peter Kutin, den berauschend sicher rhythmisierten Schnitt besorgt Michael Palm. Für Konzept, Regie und Kamera zeichnet Geyrhalter verantwortlich, der mit Homo sapiens ein weiteres Beispiel jenes von lyrischer Kraft wie kritischer Analyse geprägten Kinos vorlegt, das er wie kein zweiter beherrscht.

RELATED MOVIES

ZASTAVA IL’IČA

Marlen Chuciev UdSSR 1962

ZASTAVA IL’IČA

Placet Experiri

Ruth Baettig Schweiz 2023

Placet Experiri

ANATAHAN, ANATAHAN

Martin Müller Bundesrepublik Deutschland 1969

ANATAHAN, ANATAHAN

SANG

Pascal Le Gall Frankreich 2020

SANG

WITH A HEAD FULL OF DYING CROWS

Brent Green 2011

WITH A HEAD FULL OF DYING CROWS

MARATHON

Amir Naderi USA 2002

MARATHON

MR. LONG

Sabu Japan, Taiwan, Hongkong, Deutschland 2017

MR. LONG

DISSOLUTION PROLOGUE (EXTENDED VERSION)

Siegfried A. Fruhauf Österreich 2020

DISSOLUTION PROLOGUE (EXTENDED VERSION)