Seit über 30 Jahren hat Edgar Reitz keine Kinospielfilme mehr gemacht – seine fiktionalen Werke der letzten Dekaden, welche alle um die Bewohner des Hunsrückdorfes Schabbach kreisen, entstanden fürs Fernsehen, als Serien. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der Altmeister-Vordenker des Jungen Deutschen Films ausgerechnet jetzt, wo die armen Ritter vom Zeitgeiste unermüdlich das Loblied der TV-Serie singen, sein viertes Schabbach-Epos fürs Kino gestaltet: die Geschichte eines Bruderzwists vor dem Hintergrund des jungdeutschen Aufbegehrens wie der Massenauswanderungen amerikawärts. Ausgebreitet wird die Geschichte von Jakob und Gustav und den Frauen, die sie lieben: in einem ganz wunderbaren Schwarzweiss mit Farbintarsien; mit einem mal feinsinnig, mal barbarisch brillanten Sinn für das Erzählen in Kontraktionen, breit ausgespielten Szenen und wahnwitzig weiten Ellipsen; einer Lust sowohl am Schwärmen, sich Versteigen in Visionen als auch am Versinken in den Details dieser Agrarkultur, dem Matsch, den Rissen im Holz. So macht der Film sicht- und spürbar, dass die jungdeutsche Revolution in Wahrheit vielleicht doch eine permanente ist. Also ein Traum, was sonst.
DIE ANDERE HEIMAT - CHRONIK EINER SEHNSUCHT
- Edgar Reitz
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