ANTON TUT RYADOM

  • Lyubov Arkus

Ein aussergewöhnlicher Text des Teenagers Anton weckte das Interesse der Filmemacherin. Anton ist nicht das, was man normal nennt. Er scheut den Kontakt mit anderen Menschen, er geht viel und ziellos umher, schreibt, oder vielmehr: kritzelt, seine Artikulation ist umständlich, sein Verhalten mitunter erratisch. Anton gilt als autistisch. Mit seiner Mutter Rinata lebt er in St. Petersburg. Als bei Rinata Krebs diagnostiziert wird, beginnt sie sich Sorgen um das Fortleben ihres Sohnes nach ihrem Tod zu machen, denn welche Möglichkeiten hält die russische Gesellschaft für einen Menschen wie ihn bereit?

In ihrem Debütfilm Anton’s Right Here begleitet die 1960 in der Ukraine geborene Filmpublizistin, Redakteurin und Lehrbeauftragte Lyubov Arkus Rinata und Anton auf ihrer Odyssee durch Institutionen des Schreckens und Wohnprojekte der Hoffnung. Das heisst, eigentlich begleitet sie die beiden nicht, sie steuert das Unterfangen mit und mischt sich ein. Denn die vom Aufnahmeapparat geschaffene Grenze zwischen beobachtetem Objekt und beobachtendem Subjekt wird im Falle Antons rasch obsolet. Der hat für dokumentarische Distanz keinen Begriff, und Arkus kann sich vor Antons wachsender Zuneigung schon bald nicht mehr in Neu­tralität flüchten. So begegnen sich zwei Menschen, und eine Kamera schaut zu und zeigt, wie der eine dem anderen hilft.

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