L'ÂGE ATOMIQUE

  • Héléna Klotz

Zwei Jungs in einem Vorstadtzug nach Paris, vor ihnen die Verheissung einer Samstagnacht: Victor und Rainer wollen in einen Club, wollen trinken, tanzen, knutschen, sich entgrenzen im Rausch der grossen Party. Doch diesem Plan stemmt sich von Anfang an eine tiefe Melancholie entgegen. Sie liegt in den Bildern der nächtlich erleuchteten Stadt ebenso wie in den Gesichtern der Jungen – deren Münder über das eine sprechen, während ihre Augen von etwas anderem erzählen.

Héléna Klotz – 1979 in Paris geboren und in den Banlieus aufgewachsen – legt mit L’âge atomique, dem ersten Teil einer geplanten Trilogie über «Jugend», ein in seiner formalen Ambitioniertheit wie in seiner narrativen Sensibilität beachtliches Spielfilmdebüt vor. Elegisch und sperrig zugleich driften darin Ton, Bild und Empfindung auseinander, macht sich in den Freiräumen etwas breit, das sich nicht recht benennen lässt. Das aber jeder kennt, der sich an die Verstörungen des Heranwachsens erinnert. Im Club holt sich Victor von den Mädchen einen Korb nach dem anderen und Rainer spürt dessen Verletzung am eigenen Leib. Wenig später geraten die beiden in eine Auseinandersetzung mit reichen Schnöseln; ein Wortwechsel von hoher Komplexität mündet in eine simple Schlägerei. Wie in den Filmen Bressons entsteht auch in der Arbeit Klotz’ aus dem Kontrast zwischen minimalistischem Inszenierungsstil und emphatischem Wahrheitsgehalt der Szene ein irritierender Bedeutungsüberschuss.

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