BESTIAIRE

  • Denis Côté

In Bestiaire filmt Denis Côté Tiere – ohne Kommentar, ohne Dialog, statisch, indem er seine Kamera an immer wieder anderen Orten im Parc Safari in Hemmingford, Québec, aufstellt – und Menschen, die sie ansehen. Meist zeigt er aber Tiere, beziehungsweise Teile von diesen, denn was wissen Tiere schon von Cadrage, der Auswahl des Bildausschnitts. Also ragt mal von unten eine Löwenmähne ins Bild, dann senken sich von oben die Schnurrhaare eines Tigers hinein, mal eilt ein Lama vorüber, mal schieben sich die Beine eines Trampeltiers hindurch, der Kopf eines Vogel Strauss zuckt auf und wieder ab, dann bleibt ein Bison stehen. Wiederholt sehen einen Rindviecher an und werfen den Blick des Zuschauers zurück über den Zaun, die Grenze, den Abgrund, der den Filmemacher vom Tier trennt.

Der Kanadier Côté, 1973 geboren, arbeitete als Radiomoderator und Filmkritiker, bevor er 2005 im sogleich preisgekrönten Les États nordiques zum ersten Mal das lyrische Potenzial des Vorgefundenen auslotete. Während nun also in Bestiaire die menschliche Interpretation des animalischen Treibens an der fundamentalen Andersartigkeit des Tieres scheitert, provoziert dieser Ort – an dem Wildnis und Zivilisation aufeinandertreffen – Fragen zum Verhältnis von Freiheit und Macht, Fremdheit und Neugier, Dasein und Entfremdung. Lauschende Ohren vor Beton. Giraffenhals mit Wellblech. Hornspitzen neben Eisenriegel. Schönheit in grässlicher Umgebung. Ein Lehrfilm.

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