ANDERS, MOLUSSIEN

  • Nicolas Rey

Gedreht auf abgelaufenem 16-mm-Material zeigt anders, Molussien von Nicolas Rey urbanisierte und industrialisierte Landschaften, an deren grobkörniges Flackern eine Tonspur mit Zivilisationsgeräuschen (Autolärm, Fluglärm, Hundelärm) angelegt ist. Dazu werden Auszüge aus Günther Anders’ in den 1930er Jahren entstandenem, posthum veröffentlichtem Roman «Die molussische Katakombe» gelesen. Dieser erzählt von Gefangenen in den Kerkern eines fiktiven faschistischen Staates, die sich mit Geschichten über das Draussen in Form philosophischer Fabeln unterhalten.

Nicolas Rey, 1968 geboren, in Paris beheimatet, macht seit 1993 Filme, die fotografische, dokumentarische und experimentelle Elemente verbinden. Die neun Kapitel, aus denen anders, Molussien besteht, werden in zufälliger Reihenfolge gezeigt. Auf diese Weise setzen sich visuelle Motive, akustische Signale sowie technische Strategien der Bilderzeugung und der Tongestaltung immer wieder neu zusammen. Was so entsteht, ist auch eine Illustration des von Anders entwickelten, kulturkritischen Begriffs des «prometheischen Gefälles» zwischen der Unvollkommenheit des Menschen und der Perfektion der Maschine: Aufgrund seiner strukturellen Überlegenheit werde das Gerät, so Anders, sich vom Objekt zum Subjekt der Geschichte entwickeln. Die Verhältnisse geraten ins Kreiseln wie Reys Kamera: Deren entvölkerte Bilder stehen mitunter auf dem Kopf, während sich in den Maschinenlärm Vogelgezwitscher und Flussgeplätscher mischen.

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