FROM THE EDGE OF THE CITY

  • Konstantinos Giannaris

Pontoi nennt man die Grekorussen, von denen viele in Menidi, einem erbärmlichen Stadtteil am Westrand Athens, leben. Ursprünglich stammen sie aus der Schwarzmeerregion, doch sie wurden während der Stalin-Zeit über die Enden des Imperiums verstreut. SaÊa z.B. kommt aus Kasachstan. Er ist 17, hat einen Körper wie eine antike Statue, lebt vom Strichern. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Panagiotis ist SaÊa jedoch nicht schwul, nur «flexibel». Seine freien Stunden verbringt er oft mit NataÊa, einer Nutte, die etwas älter ist als er – unter den wachsamen Augen ihres Zuhälters, Giorgos ...

From the Edge of the City ist ein so aufwühlender wie fetziger Hybrid. Ursprünglich wollte Konstantinos Giannaris eine Dokumentation drehen, entschied sich dann aber doch für einen funktionalisierenden Zugang; besetzt wurde der Film mit Laien, Fragmente eines Gesprächs zwischen Regisseur und Hauptdarsteller forcieren weiter das veristische Moment. Die Inszenierung der Spielszenen hingegen bricht mit allen Klischees des Realismus – Giannaris zeigt, dass seine Wurzeln im Musikvideo (u. a. für Bronski Beat) und im Avantgardefilm liegen (Trojans, 1989; Mia thessi ston ilio, 1995). Da reibt sich etwas haltlos aneinander, klare Perspektiven werden verweigert, (Selbst-)Bilder beständig hinterfragt. Am Ende ist die Bewegung das Entscheidende – die Suche, Energie.

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